Home Geldpolitik Nagel will bei Gefahren für Preisstabilität handeln

Nagel will bei Gefahren für Preisstabilität handeln

by best-of-finance

Der neue Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht die aktuell hohen Teuerungsraten mit Sorge und verspricht einen entschiedenen Einsatz für eine stabile Währung. Er sehe „derzeit eher die Gefahr, dass die Inflationsrate länger erhöht bleiben könnte als gegenwärtig erwartet“, sagte Nagel am Dienstag bei einer im Internet übertragenen Feier anlässlich der Amtsübernahme von Vorgänger Jens Weidmann laut Redetext. Der mittelfristige Preisausblick sei „außergewöhnlich unsicher“. Nagel betonte an die Adresse der Europäischen Zentralbank (EZB): „Bei aller Unsicherheit ist eines ganz klar: Wenn es die Preisstabilität erfordert, muss der EZB-Rat handeln und seinen geldpolitischen Kurs anpassen.“

In den vergangenen Monaten sind die Inflationsraten sowohl in Deutschland als auch im Euroraum kräftig gestiegen. Kritiker werfen der EZB vor, mit ihrer Geldflut die Teuerung anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum halten will. Nagel wolle an die bisherige Linie der Bundesbank anknüpfen. Die deutsche Notenbank habe frühzeitig auf Inflationsrisiken aufmerksam gemacht. Sie habe angemahnt, den sehr expansiven Kurs der Geldpolitik nicht für zu lange festzuschreiben und sich Handlungsoptionen offenzuhalten.

Mehr zum Thema

Verbraucherpreise

Euro-Inflation klettert auf 5 Prozent

Die Inflation im Euroraum hat im Dezember erneut zugelegt – statt wie erwartet leicht zu sinken. Mit 5,0% markiert sie ein Rekordniveau. Für den weiteren EZB-Kurs ist nun vor allem die Lohnentwicklung entscheidend.

Verbraucherpreise

Wie es 2022 mit der Inflation weitergeht

Die Inflation in Deutschland hat 2021 rasant angezogen. Für 2022 wird nun verbreitet ein Rückgang erwartet. Tempo und Ausmaß sind aber umstritten. Was spricht für eine stark sinkende Inflation – und was dagegen?

Notenbanken

Nagel folgt Weidmann als Bundesbankchef

Joachim Nagel soll Jens Weidmann an der Spitze der Bundesbank ablösen. Für den 55-Jährigen bedeutet das eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Geldpolitisch steht er in der Tradition der Bundesbank, auch wenn er als pragmatisch gilt.

Reaktionen auf Weidmann-Nachfolge

Issing bezeichnet Nagel als „Glücksfall“ für Bundesbank

Die Nominierung von Joachim Nagel als Nachfolger von Jens Weidmann im Amt des Bundesbankpräsidenten hat viel Lob ausgelöst – auch bei den früheren Notenbankern Otmar Issing, Andreas Dombret und Peter Praet.

Die Ampel-Koalition hatte den Volkswirt Nagel (55) an die Spitze der Bundesbank berufen, da Weidmann (53) nach gut zehn Jahren das Amt aus persönlichen Gründen zum Ende vergangenen Jahres vorzeitig abgegeben hatte. Nagel arbeitete von 1999 an bereits viele Jahre bei der Deutschen Bundesbank, zuletzt als Vorstand (Dezember 2010 – April 2016). Nach einer Station bei der staatlichen Förderbank KfW war Nagel zuletzt bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel als stellvertretender Leiter der Bankabteilung tätig.

Bundesfinanzminister Christian Lindner äußerte sich bei der Feier zur Amtsübernahme Nagels überzeugt, dass der neue Präsident für einen Kurs geldpolitischer Kontinuität bei der Bundesbank stehen wird. „Stabilitätsorientierter Geldpolitik kommt gerade in diesen Zeiten eine hohe Bedeutung zu."

Nagel sprach sich in seiner Antrittsrede zudem dafür aus, bei der Geldpolitik finanzielle Risiken aus Klimawandel und -politik stärker in den Blick zu nehmen, etwa bei der Bewertung von Vermögenswerten, die Banken als Sicherheiten hinterlegen, oder beim Kauf von Wertpapieren. Auch EZB-Präsidentin Lagarde will dem Klimaschutz in der Geldpolitik größeres Gewicht geben.

Eine baldige Wende hin zu höheren Zinsen sollten Deutschlands Sparer aber nach dem Wechsel an der Bundesbank-Spitze nicht erwarten. Nagel hat im EZB-Rat wie die Vertreter der anderen 18 Euroländer nur eine Stimme – auch wenn Deutschland Europas größte Volkswirtschaft ist. Und die lockere Geldpolitik hat im obersten Entscheidungsgremium der Zentralbank viele Befürworter. Die erste geldpolitische Sitzung des EZB-Rates im neuen Jahr ist für den 3. Februar angesetzt.

related posts

Leave a Comment